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Migration und Integration in Deutschland

Verständigung mit Händen und Füßen

Interview zur Situation der Frauen im IrakInterview:

Viel Jugend an Straße mit alter Tradition

1968-2008 - Jugend zwischen Politik und Lebensgefühl''

Der beeindruckendste Schuttberg des Orients

Volk ohne Staat

Zwischen Integration und Identität


Viel Jugend an Straße mit alter Tradition



Klaus Mathesius ist der dienstälteste Lehrer der Finsterwalder Musikschule. Während der fast 30 Jahre Klavierunterricht, die er
bisher gegeben hat, haben zwischen 300 und 400 Schüler bei ihm den Umgang mit den weißen und schwarzen Tasten gelernt. Der Diplom- Musikpädagoge leitet seit 20 Jahren in seiner Freizeit auch den gemischten Polizeichor Finsterwalde. Zuvor hatte er zehn Jahre lang im Massener Volkschor «die erste Geige gespielt» . In der Vorweihnachtszeit stehen fünf Konzerte mit seinem Polizeichor an, sagt er, zwei davon in Nürnberg.

 

Eigentlich ist der Name nur noch Geschichte, obwohl die Verbindung zwischen Schützenplatz und Forststraße seit der Wende wieder Tuchmacherstraße heißt. Da begann der Beruf des Tuchmachers in Finsterwalde auszusterben. Heute erinnert neben dem Namen nur noch der inzwischen arg gebeutelte Max-Taut-Bau der ehemals von Fabrikant Max Koswig unweit der Bürgerheide am Stadtrand gebauten Tuchfabrik an einst blühende Zeiten.

Zum Glück bestimmt neues pulsierendes Leben etwas weiter nördlich das Bild. Sängerstadt-Gymnasium und Kreismusikschule «Gebrüder Graun» machen die Straße tagsüber zu einer jungen Straße. Lange Zeit war sie nicht mehr als ein oft schlammiger Fahrweg, an den sich Anita Forelle heute noch mit Grausen erinnert, gehörte er in den 50er-Jahren doch zu ihrem Schulweg von Nord in die Straße der Jugend. Seit Ende der 60er-Jahre wohnt sie mit Ehemann Horst direkt gegenüber des heutigen Sängerstadt-Gymnasiums. Auch die Pferdefuhrwerke von Fuhrunternehmer Thielow, mit denen Produkte der damals noch gleich nebenan existierenden Tischfabrik transportiert wurden, zerfuhren den Weg.
Mit dem Bau des «Stadions des Friedens» Anfang der 50er-Jahre wurde zwar die Lücke zu den Gewoba-Bauten in der heutigen Friedensstraße geschlossen, aber wo sich heute Schule, Musikschule, Sporthalle und Sportgelände befinden, erstreckten sich nur Gärten und Wiesen auf einem sumpfig-feuchten Gelände.
Als im Jahr 1974 die Polytechnische Oberschule eingeweiht wurde, war aus der Tuchmacherstraße schon längst die Straße der Befreiung geworden. Wann das war, ist vielen Zeitzeugen nicht mehr genau erinnerlich. Der langjährige Vorsitzende des Rates des Kreises Finsterwalde, Fritz Kaunitz, erinnert sich, dass die Straßenumbenennung im Jahr 1957 zum 40. Jahrestag der Sozialistischen Oktoberrevolution stattgefunden haben könnte. «Auf jeden Fall stand eine Festtribüne vor den Gärten, wo heute die Schule steht, und es gab ein großes Feuerwerk» , erzählt er. Aber vielleicht, so zeigt er sich nicht sicher, habe es den neuen Straßennamen auch an einem Jahrestag der Befreiung vom Faschismus gegeben.
Zur Tuchmacherstraße wurde die Straße wieder nach der Wende, als es mit dem Volkseigenen Betrieb (VEB) Feintuch schon der Schließung entgegen ging. Mitte der 90er-Jahre wurde die Tuchmacherstraße dann zur viel diskutierten Süd-Nord-Tangente ausgebaut. Vom schlammigen Weg kann jetzt nicht mehr die Rede sein, aber auch nicht mehr von Tuchmachertraditionen, wenn der Vorbeieilende auf die zerfallende Tuchfabrik schaut.
Die Straße ist weniger mit der Geschichte zahlreicher Anwohner, dafür mit der von öffentlichen Gebäuden verbunden. Geschichten hat die Straße trotzdem eine Menge zu erzählen. Im Jahr 1975 «kämpfte» die EOS um den Namen Georgi Dimitroff, begründet mit der langjährigen Partnerschaft zum deutschsprachigen Gymnasium Bertolt Brecht in Pasardschik. Mit der Wende verschwanden Georgi Dimitroff und EOS, geworden ist daraus das Sängerstadt-Gymnasium. 13 Lehrern im Jahr 1974 stehen jetzt 103 gegenüber für mehr als 1200 Schüler. Schulleiter Karl-Ulrich Henicke kennt die Geschichte beider Schulen in dem Gebäude von Anfang an. Nebenan ist heute die Musik zu Hause. Die größte Regionalstelle der Kreismusikschule «Gebrüder Graun» mit vielen erfolgreichen jungen Musikern. Zahlreiche Finsterwalder erinnern sich, dass sie im Herbst 1989 hier vorbeidemonstrierten und Kerzen auf dem Zaun des Gebäudes der Staatssicherheit abstellten. Die Straße zieren auch zwei interessante Kunstwerke: der schmückende Wandfries des aus Griechenland stammenden und in Elsterwerda lebenden Künstlers Georgios Wlachopulos an der im Jahr 1975 entstandenen größten Sporthalle der Stadt und die Doppelfrauenplastik «Schreitende» des Senftenberger Bildhauers Ernst Sauer vor der Schule.
All das konnte die Familie Forelle über Jahrzehnte beobachten. Industrie ist gestorben, ein Schul- und Sportzentrum entlang der Straße entstanden. Junge Leute bestimmen heute tagsüber das Bild auf der Straße.


 
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